Fische

Von den über 2‘000 gefangenen Korallenfisch-Arten werden jährlich ungefähr 24 Millionen Tiere gehandelt. Diese Zahl versteht sich ohne diejenigen Fische, die beim Fang und Transport sterben.
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Häufig ist sehr wenig – bis gar nichts – über die Biologie der Fische bekannt. So ist gar nicht abschätzbar, welchen Einfluss die Fangzahlen auf die Fischpopulation haben.

Riffbarsche (Pomacentridae) scheinen die meist gehandelten Fische zu sein. Sie machen fast die Hälfte der Handelszahlen aus. Weitere oft gehandelte Arten sind Kaiserfische, (Pomacanthidae), Dokotorfische (Acanthuridae), Lippfische (Labridae), Grundeln (Gobiidae) und Falterfische (Chaetodontidae).

 

BanggaiKleine Verbreitung, kleine Populationen
Beispiel: Der Banggai Kardinalfisch (Pterapogon kauderni)
kommt in einer sehr kleinen Region von nur 23 Quadratkilometern Fläche im Nordosten von Sulawesi (Indonesien) vor. Dort lebt er nur in sehr kleinen Populationen.

Seltene oder endemische Fische (endemisch = kommen nur in einer definierten Umgebung vor) erzielen höhere Preise.

Obwohl diese Fische erfolgreich gezüchtet werden können, ist der Wildfang billiger, so dass gegenwärtig Banggai-Kardinalfische meist aus freier Wildbahn stammen. Hier Artikel lesen.

Biondo_PutzerlippfischSchlüsselarten
Beispiel: Gemeiner Putzerfisch (Labroides dimidiatus)

Putzerlippfische halten Korallenfische frei von Parasiten. Sie sind eine Schlüsselart für die Vielfalt der Riffe. Untersuchungen haben ergeben, dass bereits vier Monate ohne Putzerfische, auch die anderen Korallenfische verschwinden.

Diese Art überlebt nur in einem artenreichen Aquarium, so dass in der Aquarienszene von ihrer Haltung abgeraten wird.

palette-surgeonfish_pixabayBeispiel: Paletten-Doktorfisch (Paracanthurus hepatus)

Der Paletten-Doktorfisch ist ein wertvoller Fisch. Er wird bis zu 40 cm gross und somit schnell zu gross für ein herkömmliches Aquarium. Zudem verhält er sich aggressiv gegenüber Artgenossen und anderen Korallenfischen. Sie müssen andauernd Zooplankton zu sich nehmen und sind sehr krankheitsanfällig.

Der Paletten-Doktorfisch wurde durch den Walt Disney Film “Findet Nemo” bekannt. In 2016 wird Walt Disney „Findet Dory“ ausstrahlen, der diesmal einen Paletten-Doktorfisch als Hauptfigur haben wird. Es wird erwartet, dass der Handel mit Paletten-Doktorfischen, wie damals mit den Anemonenfischen (Nemo), explodieren wird.

Im Unterschied zu den Anemonenfischen, die sich in Gefangenschaft züchten lassen, kommen jedoch alle Paletten-Doktorfische aus der Wildnis – dem Korallenriff.

Cetoscarus_bicolor_juvAltersverschiebungen
Beispiel: Papageienfische

Oft werden juvenile, d.h. noch nicht geschlechtsreife Fische gefangen, weil sie speziell gefärbt oder kleiner sind und besser ins Aquarium passen. Sie hatten in freier Wildbahn keine Nachkommen hinterlassen und somit den Fortbestand der Art nicht sichern können. Zudem wird die Altersstruktur im Riff verändert.

Synchiropus_splendidus_male

 

 

Geschlechtsverschiebungen
Beispiel: Mandarinfisch (Synchiropus splendidus)
Wegen seiner besonderen Färbung wird er sehr häufig gehandelt. In der Natur gelten einige Populationen bereits als ausgestorben.

Der Mandarinfisch ist nicht leicht zu halten. Speziell die männlichen Mandarinfische werden so oft gefangen, dass sich die ganze Populationsbiologie geändert hat, denn: Die Weibchen bevorzugen grössere Männchen. Die Aquarienhalter aber auch. Untersuchungen haben ergeben, dass die Männchen in freier Wildbahn heute nur noch 3 cm statt wie früher 6 cm messen. Wie werden die Weibchen reagieren?

Mandarinfische werden mit einem Handspeer gefischt. Dabei kann es zu schweren Verletzungen oder zum Tod kommen. Die Händler meinen, das heile schnell. Siehe Film (ab 5:08)

Mandarinfische haben zudem ein sehr spezifisches Nahrungsspektrum von Zooplankton, welches im Aquarium schwierig wiederzugeben ist. Dies hat zur Folge, dass Mandarinfische oft das Futter verweigern und innerhalb von ein paar Wochen nach dem Kauf verhungern.

Chromis_viridis_2011Futter
Beispiel: Grünes Schwalbenschwänzchen (Chromis virdis)

Das Grüne Schwalbenschwänzchen, ein Riffbarsch, ist der meistgehandelte Korallenfisch. Alleine die USA importiert fast eine Million Individuen pro Jahr. Fang- und Transportmethoden verursachen grosse Verluste. In den Hauptexportländern Indonesien und den Philippinen werden sie sogar – obwohl verboten – häufig noch mit Hilfe von Gift gefangen. Bei dieser Fangmethode verendet das grüne Schwalbenschwänzchen besonders häufig.

In der Natur lebt es im Schwarm in einem Korallenstock und nimmt andauernd Nahrung (Zooplankton) auf. Im Aquarium werden meist bestimmte Fütterungszeiten eingehalten und es kommt zu Auseinandersetzungen zwischen den Artgenossen.

Dascyllus_aruanus_Wikipedia_Leonard_LowKämpfe
Beispiel: Dreibinden-Preussenfisch (Dascyllus aruanus)

Der Dreibinden-Preussenfisch ist ebenfalls ein häufig gehandelter Korallenfisch. Er verteidigt seinen Lebensraum, einen schützenden Korallenstock, gegen Eindringlinge. Im Aquarium ohne Rückzugsmöglichkeiten enden Revierkämpfe mit dem Tod der Fische.